220918 JMG godi034a.jpg

Diakoniepfarrer Sven Pernak (r.) und Wolfgang Wessels vom Regionalbüro Alter, Pflege und Demenz Ruhr beleuchten in einer Dialogpredigt, was Demenz für Betroffene und ihre Angehörigen bedeutet.

19.09.2022

Vergiss mein nicht – mit viel Geduld und in Gemeinschaft

Diakoniegottesdienst für den Kirchenkreis in der Lutherkirche stellte das Thema „Leben mit Demenz“ in den Mittelpunkt

Mit einem Diakoniegottesdienst in der Lutherkirche am Stadtpark haben die Diakonie-Ruhr-Familie und die Ev. Kirche in Bochum den diesjährigen Diakoniesonntag gefeiert. Er stand anlässlich des Jahresspendenthemas „Leben mit Demenz“ der Diakonie Ruhr unter dem Motto „Vergiss mein nicht“.

Diakoniepfarrer Sven Pernak, Vorstand der Inneren Mission – Diakonisches Werk Bochum, und Wolfgang Wessels vom Regionalbüro Alter, Pflege und Demenz Ruhr beleuchteten in einer Dialogpredigt, was Demenz für Betroffene und ihre Angehörigen bedeutet. Um ihre Identität nicht zu verlieren, konstruierten demenziell Erkrankte eigene Welten, erläuterte Wolfgang Wessels. „Man muss sich auf die andere Wirklichkeit einstellen, in der diese Menschen leben. Das ist nicht einfach, gerade in der Familie.“

Wenn ein Mensch die Diagnose Demenz erhält, sei es wichtig, dass die Angehörigen Geduld bewahren und nicht in Aktionismus verfallen – also nicht etwa sofort einen Heimplatz besorgen. „Den kranken Menschen hilft unsere Ruhe sehr“, sagte Wolfgang Wessels. „Sie verstehen die Aufregung nicht.“ Für Betroffene sei es sehr wichtig, in Gemeinschaft zu bleiben. Dabei könnten auch klassische Angebote der Kirchengemeinden einen wichtigen Beitrag leisten, betonte Wolfgang Wessels. „Die beste Hilfe gegen Demenz ist Frauenhilfe“, brachte er es plakativ auf den Punkt.

Der Diakoniegottesdienst wurde gestaltet von Pfarrer Constantin Decker (Ev. Kirchengemeinde Bochum), der Lutherkantorei unter der Leitung von Elisabeth Esch, Lesia Sushynska an der Orgel sowie Mitarbeitenden aus dem Regionalbüro Alter, Pflege und Demenz Ruhr und dem Katharina-von-Bora-Haus.

Unter dem Motto „Leben mit Demenz“ fördert die Diakonie Ruhr in diesem Jahr Projekte und Angebote für Menschen mit Demenz. Unter anderem konnten im Frühjahr an Demenz erkrankte Menschen und ihre Angehörigen bei einem ungewöhnlichen Seminar zehn Tage lang auf Norderney Kraft tanken. Es wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kirche und Gesellschaft der Ev. Kirche von Westfalen durchgeführt.

Diakoniegottesdienste sollen deutlich machen, dass Gemeinde vor Ort und Diakonie gemeinsam Kirche sind. Sie sind dem gemeinsamen Auftrag verbunden und geben die Liebe und Zuwendung Gottes, die sie selbst erleben, an andere weiter. Im „Team für hier“ aus Diakonie Ruhr und Ev. Kirche in Bochum engagieren sich mehr als 10.000 Menschen in Haupt- und Ehrenamt mit großer Leidenschaft für die Menschen in Bochum.