(v.l.): Jens Fritsch, Geschäftsführer der Diakonie Ruhr Pflege, Sozialdezernentin Britta Anger und Dr. Birgitta Behringer, Vorstandsvorsitzende des Ambulanten Ethikkomitees Bochum, bei der Netzwerkkonferenz

16.02.2024

Behandlung im Voraus planen

Netzwerkkonferenz zu gemeinsamen Standards im Umgang mit Patientenverfügungen

Sich mit dem eigenen Lebensende zu beschäftigen, braucht Mut. Aber jeder und jede weiß: Niemand ist vor einem plötzlichen Unfall, einer lebensbedrohenden Krankheit oder Behinderung gefeit. Wichtig ist, Behandlung im Voraus zu planen. Darum ging es in der Netzwerkkonferenz "Behandlung im Voraus Planen" im Technischen Rathaus.

Initiator war das Ambulante Ethikkomitee Bochum e.V. (AEB). Sozialdezernentin Britta Anger erinnerte an das schon lange Bestehen des Bochumer Projekts. Das Netzwerk BVP-Bochum hat sich 2019 zusammengeschlossen, damit Bochumer Bürgerinnen und Bürger in gesundheitlichen Krisen so behandelt werden, wie sie das wollen – insbesondere, wenn sie dann selbst keine Entscheidungen treffen können. Der Gesetzgeber sieht vor, speziell für diesen Zweck ausgebildete Gesprächsbegleitende in stationären Einrichtungen der Pflege und der Eingliederungshilfe zu beschäftigen. Sie sollen den Vorsorgeplanenden bei der Formulierung ihrer Patientenverfügungen helfen.

Ein wichtiger Beschluss der Netzwerkkonferenz 2019 war ein möglichst einheitliches Vorgehen mit einheitlichen Patientenverfügungen für die Bochumer Bürgerschaft. Das ambulante Ethikkomitee organisiert die notwendigen Prozesse in Bochum und setzt sie um. Das AEB bietet vor Ort die Ausbildung von Gesprächsbegleitenden an. „Wir freuen uns, dass wir so schon über die Hälfte der Bochumer Pflegeheime gewonnen haben, die Gesprächsbegleitende beschäftigen, die bei uns ausgebildet wurden,“ sagt Dr. Birgitta Behringer, Vorsitzende des AEB. Die Ausbildung richtet sich nach den Standards der wissenschaftlichen Fachgesellschaft ACP-Deutschland. Das betrifft die zertifizierten Trainer ebenso wie die Kursabläufe und die Dokumente. „Diese sind sprachlich und inhaltlich sehr durchdacht, damit nachvollziehbar ist, warum ein Mensch seine Entscheidungen in der Patientenverfügung festgelegt hat“, erläutert Rainer Meschenat, Pfarrer und Trainer für BVP-Gesprächsbegleitende.

Das Netzwerk ist wichtig, damit diese Patientenverfügungen an allen Orten des gesundheitlichen Netzes bekannt sind und auch beachtet werden. Damit Patienten sicher so behandelt werden, wie sie das festgelegt haben. „Darum sind wir froh, dass heute so viele Netzwerkpartner gekommen sind“ sagt Dirk Schulze-Steinen, Vorstandsmitglied des AEB und selbst Gesprächsbegleiter in Bochumer Seniorenheimen der Diakonie Ruhr. Anwesend waren Vertreter der Stadt, Geschäftsführer der Wohlfahrtsverbände, der Alzheimer Gesellschaft, des Betreuungsgerichtstags, Vertreter der Seniorenbüros, der Hochschulen, der Kliniken und der Eingliederungshilfe. „BVP in Bochum ist bei uns ein Erfolgsmodell“ betonte Ulf Kauer, Geschäftsführer der Lebenshilfe.

Ein wichtiges Ziel ist es, dass es dieses Angebot der BVP-Gesprächsbegleitung auch im ambulanten gibt. „Das ist erstrebenswert vor allem mit Blick auf die demographische Entwicklung“ so Jens Fritsch, Geschäftsführer der Diakonie Ruhr Pflege. Die meisten Menschen werden in ihrer letzten Lebensphase zuhause wohnen und nicht in Heimen.

Eine Arbeitsgruppe soll nun prüfen, wie das Vorhaben der ambulanten Beratung umgesetzt werden kann. BVP im Krankenhaus wird bereits in den Augusta Kliniken umgesetzt. Auch hier fehlt die gesetzliche Unterstützung. „Es ist jedoch wichtig, früh mit Menschen darüber zu sprechen, wie sie in der nächsten Krise behandelt werden wollen“, so Dirk Behringer, Chefarzt der Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin in den Augusta Kliniken. Er bietet Workshops an, um die Möglichkeiten der gesundheitlichen Vorsorgeplanung in den Kliniken weiterzuentwickeln.