„Besuchsgarantie des Landes NRW ist fahrlässig und verantwortungslos!“

Jens Fritsch
Jens Fritsch

16. Dezember 2020

Ein offener Brief des Geschäftsführers Jens Fritsch an die Angehörigen der Pflegeeinrichtungen der Diakonie-Ruhr-Gruppe

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat am Dienstag, 15. Dezember 2020, eine Besuchsgarantie für Pflegeheime ausgesprochen. Das halten wir angesichts der sich entwickelnden pandemischen Lage und der erheblichen Belastungen für unser Personal für fahrlässig und verantwortungslos. Dies impliziert Ihnen, liebe Angehörige, dass Sicherheit für einen Besuch in unseren Pflegeeinrichtungen hergestellt werden kann. Die Schnelltests sind fehleranfällig und sind nicht geeignet, den Eintrag des Virus in eine Einrichtung zu verhindern. Ganz Deutschland geht heute in den Lockdown – nur Pflegeeinrichtungen sollen hiervon ausgenommen werden.

Unsere Mitarbeitenden sind mit den jüngsten Landesverordnungen verpflichtet, in deutlich größerem Umfang POC-Schnelltests für Mitarbeitende, Bewohnerinnen und Bewohner sowie alle Besucher durchzuführen. Täglich werden in einer durchschnittlichen Pflegeeinrichtung mit 80 Plätzen damit mindestens 60 Schnelltestungen erforderlich. Die Tests durchzuführen ist zum Schutz zweifelsfrei richtig. Es ist jedoch falsch, die gesetzlichen Anforderungen in einer Phase der maximalen Belastung für Mitarbeitende der Einrichtungen zu erhöhen. Dies ist für unsere Mitarbeitenden eine herbe Enttäuschung. Die Landesregierung verlagert öffentliche Aufgaben wie die Durchführung von Tests in die Pflegeeinrichtungen. Damit verlagert sie Verantwortung und Aufwand ohne Lösungen mitanzubieten. Die Sicherstellung der Finanzierung der Tests ist nicht nur eine Selbstverständlichkeit, sondern auch unzureichend – da schlicht keine Personen vorhanden sind, die in der Lage wären, ausreichend Testungen durchzuführen.

Leider sind wir aktuell in zwei Einrichtungen mit größeren Infektionsgeschehen belastet und wir haben leider auch Todesfälle zu beklagen. In beiden betroffenen Einrichtungen wurde das Virus vermutlich über Besuchskontakte unwissentlich unter Wahrung aller Schutzvorkehrungen gemäß RKI eingetragen.

Wir appellieren an die Vernunft und die Einsichtsfähigkeit aller Beteiligten. Sie als Angehörige der Bewohnerinnen und Bewohner unserer Einrichtungen bitten wir, die Besuche auf das Nötigste zu begrenzen und sich vorher in der Einrichtung anzumelden. Uns ist bewusst, wie wichtig und ersehnt der Kontakt zu Ihren Liebsten ist – dennoch geht es zur Zeit darum, Menschenleben zu retten. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung.

Herzlich Ihr

Jens Fritsch
Fachbereichsleiter Altenhilfe der Diakonie-Ruhr-Gruppe

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