#LeaveNoOneBehind!

Refugee peoples hand reach out praying for hope

19. Juni 2020

Diakonie Ruhr fordert dazu auf, sich mit Schutzsuchenden zu solidarisieren

Unsere Welt erlebt derzeit eine der größten Herausforderungen seit vielen Jahrzehnten, nicht nur im gesundheitlichen, politischen und gesellschaftlichen, sondern auch im humanitären Bereich.

Gerade in dieser schwierigen Zeit, in welcher das Coronavirus einen Großteil unseres Alltags bestimmt, ist es unabdingbar, dass sich Menschen solidarisch miteinander verhalten und niemand vergessen wird. Denn eines ist klar: Das Coronavirus trifft nicht alle Menschen gleichermaßen. Denn nicht allen Menschen ist es möglich, soziale Distanz zu praktizieren, nicht alle Menschen können sich regelmäßig die Hände waschen und desinfizieren und nicht alle Menschen haben Zugang zu medizinischer Versorgung, die gerade derzeit noch wichtiger erscheint als sonst.

Es gibt viele, über die berichtet werden müsste. Wir, als Mitarbeitende der Inneren Mission - Diakonisches Werk Bochum, möchten insbesondere auf Menschen mit Fluchthintergrund aufmerksam machen, die an der EU-Außengrenze in Lagern weiterhin festgehalten werden. Dies betrifft die Menschen in libyschen Auffanglagern, welche durch die EU finanziert werden, und jene auf der Balkanhalbinsel genauso wie Schutzsuchende in den Lagern in Griechenland. Mehr als 40.000 Menschen müssen auf den griechischen Inseln Lesbos, Kos, Chios, Leros und Samos, sogenannten Hotspots, unter elendigen Bedingungen auf engstem Raum ausharren - ohne zu wissen, wohin es als nächstes geht und in ständiger Angst davor, in die Türkei abgeschoben zu werden.

Dieser Zustand ist nicht neu. Vielmehr hat er sich über die Jahre verschlimmert. War beispielsweise das Lager Moria auf Lesbos ursprünglich für 3000 Menschen errichtet worden, leben derzeit bereits über 20.000 Schutzsuchende unter haftähnlichen Bedingungen dort, darunter tausende Kinder, teilweise ohne jegliche Verwandte. Bricht in einem der Lager das Coronavirus aus, wird es sich rasend schnell verbreiten und viele Opfer fordern. In den Lagern leben viele besonders schutzbedürftige Personengruppen, darunter alte und kranke Menschen. Die Einhaltung simpelster Hygienemaßnahmen ist auf derart schlecht ausgestattetem, engstem Raum unmöglich. Selbstisolation wird zu einem Gut, was sich in den Lagern niemand leisten kann.

Doch nicht nur das Virus stellt eine Gefahr für die Gesundheit und das Leben der Geflüchteten dar. Vor einigen Monaten brach die Krätze in Moria aus. In den vergangenen Jahren sind immer wieder Menschen bei Bränden in den Lagern ums Leben gekommen. Für die Essensausgabe müssen Menschen Stunden in langen Warteschlangen verharren. Zudem wurde die tägliche Kalorienzufuhr für Kinder und Jugendliche herabgestuft und liegt nun bei einem Minimum, das zum Überleben gerade so reicht.

Hinzu kommt, dass die Versorgung mit Trinkwasser gekürzt wurde. Auch Familien mit mehr als sechs Personen erhalten lediglich neun Liter Trinkwasser pro Tag und das, obwohl auf Lesbos die Temperaturen bereits auf über 30 Grad Celsius steigen. Gerade Kinder sind Gewalt und Missbrauch in den Lagern oftmals schutzlos ausgesetzt. Die Liste des Versagens im Flüchtlingsschutz seitens der europäischen Union ist lang und könnte an dieser Stelle beliebig weitergeführt werden.

Die Menschen auf den griechischen Inseln und anderswo entlang der EU-Außengrenze, die bereits ihr Leben riskiert haben, um Schutz auf dem europäischen Territorium zu suchen, dürfen nicht vergessen werden! Wir schließen uns den Forderungen der Seebrücke-Bewegung an und plädieren für die sofortige Evakuierung der Lager und die Aufnahme von Geflüchteten sowie ihre Verteilung auf die Kommunen. Mehr als 150 deutsche Kommunen stehen schon als sichere Häfen bereit, um zusätzlich Schutzsuchende aufzunehmen. Eine Unterbringung Schutzsuchender in Sammelunterkünften des Landes ist nicht hinnehmbar!

Familien dürfen nicht weiter getrennt bleiben! Der Rechtsanspruch auf Familienzusammenführung muss praktisch angewandt werden. Geflüchteten muss der Zugang zu fairen und ergebnisoffenen Asylverfahren gewährt werden, so wie es europäisches Recht vorsieht. Humanität und Nächstenliebe darf nicht an der europäischen Außengrenze halt machen und schon gar nicht bei denen, die als Schutzsuchende zu uns kommen.

Leave No One Behind! Solidarität mit Geflüchteten an der EU-Außengrenze und anderswo. Weil jedes Menschenleben gleich viel wert ist.

Vorstand und Mitarbeitende der Inneren Mission - Diakonisches Werk Bochum

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