Der ideale Einstieg als rechtliche Betreuerin

Trainee Evangelischer Betreuungsverein Bochum

11. Juni 2020

Janika Kletzing hat den Weg als Trainee beim Evangelischen Betreuungsverein Bochum gewählt. Start mit reduzierter Zahl an Klientinnen und Klienten

An diesem Morgen wird der Tagesplan von Janika Kletzing direkt durcheinandergewürfelt. Eigentlich wollte sie sich um die Kündigung einer Wohnung für einen betagten Herren kümmern, der kurzfristig ins Pflegeheim muss. Der Anruf von der Tochter einer anderen Klientin erfordert die Aufmerksamkeit von Janika Kletzing. Die ältere Frau ist aus einer Klinik ohne die dringend benötigten, richtigen Medikamente entlassen worden.

Janika Kletzing greift zum Telefonhörer und ruft in der Klinik an, um das weitere Vorgehen abzustimmen. „Ich bin ja verantwortlich, dass es am Ende funktioniert“, sagt sie. „Ich muss heute für die von mir betreute Person eine Lösung finden. Die Frau muss spätestens heute Abend die richtigen Tabletten haben.“ Während sie weiterverbunden wird und wartet, wirft Janika Kletzing einen prüfenden Blick auf die Akte ihrer Klientin.

Seit dem vergangenen Jahr ist die 29-Jährige Trainee beim Evangelischen Betreuungsverein Bochum (EBV). Vorher hat sie Soziale Arbeit studiert, dann an der Universität Duisburg-Essen und im Wohnheim Maximilian-Kolbe-Straße der Diakonie Ruhr gearbeitet. Bewusst entschied sich Janika Kletzing für den Wechsel zum Evangelischen Betreuungsverein, für ihre neue Arbeit als rechtliche Betreuerin und für das Angebot des Trainee-Jahres.

„Das bedeutet, dass man in Vollzeit arbeitet, aber noch nicht die normale Zahl an Fällen betreut“, erklärt sie. Am Anfang sei ein Trainee noch weit entfernt von den sonst üblichen 50 Betreuungen, die eine Vollzeitkraft beim EBV bearbeitet. Relativ behutsam gehe es am Anfang los mit den Fällen, die unkritisch und sicher seien. Und wenn Janika Kletzing mal nicht weiterweiß? „Dann bekomme ich bei jedem hier Hilfe“, sagt sie und strahlt. Die Kolleginnen und Kollegen nehmen sich Zeit, besprechen mit ihr in Ruhe die Fälle und geben Tipps.

Das Gespräch mit der Klinik hat nicht den erhofften Erfolg gebracht. Janika Kletzing will jetzt beim Hausarzt der Klientin ihr Glück versuchen. Doch dazu kommt sie erst einmal nicht. Ihr Telefon klingelt – die Polizei. Sie sei vor dem Haus einer Klientin von Janika Kletzing. Die junge Frau sei apathisch und nicht ansprechbar. Der Rettungsdienst sei bereits alarmiert und treffe in Kürze ein. Für Janika Kletzing heißt das: Alles stehen und liegen lassen, rausfahren zum Ort des Geschehens.

Auf dem Weg nach draußen sagt sie kurz ihrem Kollegen Philipp Jongen Bescheid. Er hat vor Kurzem sein Trainee-Jahr beendet, arbeitet jetzt entfristet beim EBV. Und auch für ihn war das Angebot der behutsamen Einarbeitung die Ideallösung, um in den Beruf des rechtlichen Betreuers einzusteigen. „Unsere Arbeit ist unglaublich vielfältig“, sagt er. „Jeder Fall ist anders, man musste sich in immer neue gesetzliche Regelungen einarbeiten.“ Mit jeder Klientin, mit jedem Klienten wachse aber die Erfahrung und auch das Fachwissen. Das sei spannend.

Nach einiger Zeit kommt Janika Kletzing wieder in ihr Büro. Inzwischen ist die junge Klientin vom Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht worden. Von unterwegs hat Janika Kletzing mit dem zuständigen Gericht telefoniert, um einen Unterbringungs-beschluss zu erwirken. Kurzfristig muss das geschehen, damit der Klientin wirklich ideal geholfen werden kann.

Janika Kletzing greift zum Telefonhörer und ruft den Hausarzt ihrer älteren Klientin an, der die richtigen Medikamente fehlen. Sie will die Lösung zeitnah erreichen. Eigenschaften wie Zielstrebigkeit und Geduld seien in ihrem Beruf gefragt, sagt Janika Kletzing. „Und Empathie“, ergänzt sie. Mitgefühl sei immer wieder gefragt. „Ich muss mich in die Menschen hineinversetzen können, um für sie das Beste zu erreichen.“

Über sich selbst sagt Janika Kletzing: „Ich habe Spaß am strukturierten Arbeiten.“ Auch deshalb sei der Beruf der rechtlichen Betreuerin für sie so ideal. „Ich finde es befriedigend, am Ende des Tages das Ergebnis zu sehen.“ Für zwei ihrer Klientinnen schafft sie das an diesem Vormittag. Die eine ist gut versorgt im Krankenhaus, die andere erhält vom Hausarzt ein Rezept. Janika Kletzing ist zufrieden. „Solche Notfälle gibt es immer mal wieder, zum Glück aber sehr selten“, sagt sie, lächelt und greift zur Ablage mit den Mappen anderer Klienten. Jetzt kann sich Janika Kletzing um die Kündigung der Wohnung des älteren Herren kümmern.

Rechtliche Betreuung beim EBV

Wenn Menschen aufgrund von schwerer Krankheit oder Behinderung ihre rechtlichen Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln können, bekommen sie einen rechtlichen Betreuer. In vielen Fällen sind dies ehrenamtliche rechtliche Betreuerinnen und Betreuer. Wenn dies nicht möglich ist, sind die hauptamtlichen rechtlichen Betreuerinnen und Betreuer gefragt – etwa beim Evangelischen Betreuungsverein Bochum (EBV). Beide Gruppen – Ehrenamtliche und Hauptamtliche – vertreten ihre Klientinnen und Klienten in dem vom Gericht festgelegten Bereich. Das sind zum Beispiel die finanziellen Angelegenheiten, die Entscheidungen über ärztliche Maßnahmen oder der Abschluss eines Mietvertrages. Im Zentrum steht bei allem immer das Wohl der Klientinnen und Klienten.

Zurück zur vorherigen Seite