Mittagessen als Türöffner

Mittagstisch BeWo
Mitarbeitende des Fachdienstes Betreutes Wohnen bereiten das Essen für die Verteilung vor.

9. Mai 2020

Fachdienst Betreutes Wohnen beliefert seine Nutzer während der Corona-Krise mit einem täglichen Mittagstisch – inklusive Betreuung

Das Betretungsverbot für Einrichtungen wie Werkstätten oder Tagesstätten stellt Menschen mit Behinderung und psychischen Erkrankungen oder Suchtkranke vor vielfältige Probleme. Die gewohnte Tagesstruktur bricht weg. Und mit der Schließung entfällt auch das übliche Mittagessen in der Einrichtung. Menschen, die in der eigenen Wohnung leben, müssen sich selbst verpflegen.

„Das ist teilweise problematisch“, sagt Jana Di Cesare von der Diakonie Ruhr Wohnen, die ab Mai die Leitung des Fachdiensts Betreutes Wohnen von Burkhard Koch übernommen hat. Sie hat zudem festgestellt, dass sich ein Teil der Nutzerinnen und Nutzer zurückzieht – auch aus Angst vor dem Coronavirus. Manchen fehlt jede Motivation – sie bleiben gleich im Bett.

Mit einem neuen Projekt möchte die Diakonie Ruhr deshalb zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Sie bietet für die Nutzerinnen und Nutzer des Betreuten Wohnens in Bochum einen täglichen Mittagstisch an. „Aber kein klassisches Essen auf Rädern“, betont Burkhard Koch, der die Idee zu dem Projekt hatte und nun die Tagesstätte leitet und gemeinsam mit Dirk Felske die Leitung des Wohnverbunds Psychiatrie übernommen hat. „Wir möchten über das Essen den Kontakt zu den Nutzern herstellen und halten.“ Das eingeschweißte Menü wird deshalb gekühlt geliefert – vom Betreuer des Nutzers, der bei Bedarf auch beim Warmmachen hilft. Natürlich unter Beachtung der erforderlichen Schutzmaßnahmen. Ein Schwätzchen, ein kurzer Spaziergang, Unterstützung beim Putzen der Wohnung oder beim Bearbeiten der Post sind auch mit drin.

Das Essen wird von der diakonieeigenen Catering-Tochter Culina Ruhr in der Küche des Ev. Krankenhauses Witten gekocht, portionsweise eingeschweißt und gekühlt. Anschließend wird es zur Werkstatt Constantin-Bewatt geliefert, wo es gekühlt gelagert wird. Dort holen es Mitarbeitende des Fachdiensts Betreutes Wohnen in Containern ab, um es zum Verteilen an die Betreuer weiterzugeben. „Es ist toll, dass wir das kurzfristig mit den Partnern aus dem Unternehmensverbund organisieren konnten“, sagt Jana Di Cesare. „Die Kooperation hat sofort funktioniert.“

Bis zu 200 Nutzer täglich kann die Diakonie Ruhr auf diese Weise versorgen. Rund 100 Personen nehmen das Angebot zurzeit in Anspruch. „Die Menschen erhalten eine Grundversorgung und wir bekommen besser mit, wie es ihnen geht“, fasst Burkhard Koch zusammen.

Das Projekt wird mit knapp 50.000 Euro aus der Corona-Soforthilfe der Aktion Mensch gefördert. Es läuft mindestens solange, wie das Betretungsverbot für Werkstätten und Tagesstätten gilt, und endet frühestens Ende Mai.

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