Umdenken in der Pflegeversicherung notwendig

Senior woman taking out a banknote from her wallet
Symbolbild (Adobe Stock)

23. Januar 2020

Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeeinrichtungen sind auf Sozialhilfe angewiesen. Schambesetztes Thema.

Die traurige Wahrheit ist: Fast alle Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeeinrichtungen sind auf Sozialhilfe angewiesen. Allein die Stadt Bochum hat einem WAZ-Bericht zufolge im Jahr 2018 fast 28 Millionen Euro für die stationäre Pflege ausgegeben, im ambulanten Bereich waren es knapp drei Millionen Euro. Das Problem: „Die Kosten in den Einrichtungen steigen, trotzdem erhöht die Pflegeversicherung nicht ihre Leistungen“, erklärt Jens Fritsch, Geschäftsführer der Diakonie Ruhr Pflege.

Die Kostensteigerung für die Pflegeeinrichtungen werden unter anderem durch eine weiter verbesserte Qualität der Pflege, die Erhöhung der Löhne von Mitarbeitenden, die Einzelzimmerquote verursacht. „Deshalb müssen wir einmal pro Jahr eine Anpassung vornehmen. Die geht leider zu Lasten der Kundinnen und Kunden“, so Jens Fritsch.

Die Folge: In Pflegeeinrichtungen sind 70 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner auf Sozialhilfe angewiesen. Wenn wenige Monate nach dem Einzug bei weiteren 25 Prozent das Ersparte aufgebraucht ist, liegt die Quote bei 95 Prozent. „Das ist für die Betroffenen eine große Belastung. Viele Menschen schämen sich, wenn sie im Alter auf Hilfe vom Sozialamt angewiesen sind“, sagt Jens Fritsch.

Und die Zukunft? „Die sieht alles andere als rosig aus“, so der Geschäftsführer der Diakonie Ruhr Pflege. Der demografische Wandel werde seinen Tribut fordern. „Es wird immer weniger Beitragszahler für immer mehr Pflegebedürftige geben.“ Ein Umdenken sei deshalb notwendig, sagt Jens Fritsch. „Ziel ist der Sockel-Spitze-Tausch, bei dem die Pflegekasse alle notwendigen Kosten trägt und die Versicherten nur einen festen Eigenanteil zahlen.“

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