Qualifikation von Arbeitslosen: Mit Weiterbildung gegen den Fachkräftemangel

Erwerbslosenberatung
Erwerbslosenberatung bei der Diakonie (Symbolbild)

13. März 2018

Lokale AG der Wohlfahrtsverbände: Bochumer Hartz-IV-Empfänger werden zu wenig gefördert

Der aktuelle Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW belegt: Je besser qualifiziert Arbeitslose sind, umso leichter finden sie zurück auf den Arbeitsmarkt. Doch wer Hartz IV bezieht, profitiert zu wenig von beruflichen Weiterbildungsangeboten. Dies zeigt sich auch in Bochum.

Hier hatten im Dezember 2017 10.410 der insgesamt 17.252 Arbeitslosen keine abgeschlossene Berufsausbildung. Während Fachkräfte in der Regel schnell eine Stelle finden, ist die Situation für Geringqualifizierte fast aussichtslos. So lag die Arbeitslosenquote von Ungelernten in Bochum im Jahr 2017 mit 27,7 Prozent deutlich über der allgemeinen Arbeitslosenquote von 9,7 Prozent. „Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt können wir nur mit Aus- und Weiterbildungen erhöhen“, sagt Jens Fritsch, Vorstand der Inneren Mission – Diakonisches Werk Bochum e.V. und Vorsitzender der Freien Wohlfahrtspflege in Bochum. Auch wenn der Fachkräftemangel in NRW derzeit noch berufsspezifisch und regional begrenzt sei, klagten Arbeitgeber über zunehmende Probleme, Stellen zu besetzen.

Doch obwohl rund 70 Prozent der arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger keine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen können, sind geringqualifizierte Arbeitslose im Hartz-IV-System von beruflichen Aus- und Weiterbildungen weitgehend ausgeschlossen. Zwischen November 2016 und Oktober 2017 entfielen nur 6,05 Prozent der Zuweisungen in Fördermaßnahmen auf Maßnahmen zur Berufswahl, Berufsbildung oder beruflichen Weiterbildung. Im System der Arbeitslosenversicherung waren es im gleichen Zeitraum hingegen 23,59 Prozent, obwohl Empfänger von Arbeitslosengeld aus der Arbeitslosenversicherung in Bochum vergleichsweise besser qualifiziert sind.

"Verfehlte Arbeitsmarktpolitik"

„Diese Zahlen spiegeln Verfehlungen in der Arbeitsmarktpolitik des vergangenen Jahrzehnts wider“, kritisiert Jens Fritsch. „An- und ungelernte Arbeitslose müssen viel mehr Angebote zur beruflichen Weiterbildung erhalten, die ihnen idealerweise konkrete Perspektiven auf einen Berufsabschluss eröffnen.“ Dazu seien neue Konzepte nötig, die die Wünsche und Talente von Menschen im verfestigten Hartz-IV-Bezug berücksichtigten, etwa handwerkliches Geschick und Kreativität. Gleichzeitig benötigten sie aufgrund von problembelasteten Biografien, fehlenden Schulabschlüssen, wenig Lernerfahrung oder schlechten Deutschkenntnissen begleitende Unterstützung.

Die Freie Wohlfahrtspflege in Bochum fordert zudem die Etablierung eines sozialen Arbeitsmarktes, vor allem, um Langzeitarbeitslose zu erreichen. „Mit Qualifizierung alleine werden wir bei weitem nicht allen Betroffenen angemessen begegnen. Nur mit einem sozialen Arbeitsmarkt werden wir die Situation von Langzeitarbeitslosen substanziell verbessern. Hierin sind wir uns vor Ort mit dem Jobcenter einig“, so Fritsch.

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